Beyond Trio

Beyond Trio

Jürg Wickihalder / soprano, tenor and alto saxophone
Barry Guy / double bass
Lucas Niggli / drums, cymbals and percussion


Beyond Trio

A meeting of three European musicians from different generations each with his own musical back ground : three sound artists , three virtuosic instrumentalists, three breath taking improvisers.

Barry Guy is a pioneer of the European free music scene, equally at home in new and old music as well as improvisation. In earlier days he worked with baroque specialists such as John Eliot Gardiner , Christopher Hogwood and Roger Norrington . Already in the seventies he founded the famous "London Jazz Composers Orchestra". Later followed the "Barry Guy New Orchestra" and most recently the "Blue Shroud Band".
In many small formations a.o. with Evan Parker, Marilyn Crispell , Agustí Fernández and Ken Vandermark he proves himself as one of the most innovative and outstanding bass players in Europe.

Lucas Niggli is THE rhythmic magician of the younger European generation between Jazz, Sounds, Noise and Ethno. His percussion playing is impulsive, sensitive, full of amazing colours and drive.

The youngest member of the trio, the saxophonist Jürg Wickihalder, partner a. o. of Irène Schweizer, Chris Wiesendanger and Ulrich Gumpert, comes from the musical language of Thelonius Monk and Steve Lacy. Wickihalder takes the "lead" in this trio and has written most of the compositions. He is, according to a British journalist, a "master of melody". His compositions - colourful, soulful and edgy at the same time, are the basis for musical discourses, for adventurous trips into the exciting language of today's Jazz.


LINK for Beyond video:
www.vimeo.com/132637030


Beyond – handfeste Geschichten improvisiert

Mit seinem hochaktuellen neuen Trio bringt der Saxophonist Jürg Wickihalder zusammen mit Barry Guy am Bass und Lucas Niggli an den Drums handfeste Geschichten auf die Bühne – eine Musik, die vieles, punkto Intensität und Dichte aber keine Wünsche offen lässt. Sie ist klar strukturiert, lässt sich aber nicht so leicht einordnen – wo das Notenblatt aufhört und die Improvisation beginnt, ist kaum auszumachen. Wickihalder bringt seine Ideen zündend aufs Papier, die Energie, die jeden einzelnen dieser Spitzenmusiker auszeichnet, potenziert sich im Zusammenspiel, gibt den Songs Schub bis zum lodernden Feuer. Dabei behält die Musik vom Balladesken bis zum irrwitzigen Uptempo eine Dringlichkeit, die durch elegische Zwischenräume dramaturgisch klug gesteigert wird: Solistische, wunderbar swingende und manchmal Momente der Reduktion geben der Musik Hand und Fuss und Halt in einem.
Jürg Wickihalder kennt man in den letzten Jahren als Duo-Partner Irène Schweizers und Chris Wiesendangers, aus dem Langzeitprojekt "Billiger Bauer" Omri Ziegeles oder vom Quartett Ulrich Gumperts. Er ist kein Blender, was er auf dem Saxophon zu sagen hat, sagt er unumwunden, eindringlich und als wunderbarer Melodiker, ohne jegliche Geschwätzigkeit – und ganz besonders auf dem Sopran meisterhaft. Er liebt die Musik Ornette Colemans und die afroamerikanische Archaik eines Albert Ayler, und seine eigene verrät Einflüsse Steve Lacys, bei dem er nach dem Berklee College of Music Unterricht nahm, trägt aber trotzdem eine absolut eigenständige Handschrift. Seine notierten Vorgaben bringen eine erdverbundene Klarheit, bilden den Boden, aus dem die Improvisation organisch wächst, sehr rhythmisch und oft kontrapunktisch gespannt. In Barry Guy und Lucas Niggli hat er Freunde an der Seite, auf deren Erfahrung und Sicherheit in jedem Augenblick zu bauen ist. Beiden ist eine unglaubliche musikalische Bandbreite zu Eigen.
Der seit einigen Jahren in der Schweiz lebende englische Bassist Barry Guy darf mit Fug als sowohl mit seinem kompositorischen Werk insgesamt als auch mit seinen unkonventionellen Techniken auf seinem Instrument als Erneuerer bezeichnet werden. Er steht in der europäischen Jazzavantgarde an vorderster Front und hat mit seinem "London Jazz Composers Orchestra" Massstäbe gesetzt, ist aber erstaunlicherweise nicht minder mit klassischer Musik vertraut, sei es durch seine Zusammenarbeit mit der Barockgeigerin Maya Homburger oder mit Christopher Hogwoods "Academy of Ancient Music", dem "London Bach Orchestra" oder der "Academy of St. Martin in the Fields". Und Lucas Niggli ist unter den vielen phantastischen Schweizer Drummern einer der prägnantesten, dessen musikalischer Kosmos weltumspannend ist und von Komponisten wie Kagel oder Cage, eigenen Projekten wie Zoom über die Zusammenarbeit mit afrikanischen Trommlern, der chinesischen Guzheng-Spielerin Xu Fengxia oder den Akkordeonisten Luciano Biondini bis zum Zürcher Ensemble für Neue Musik oder dem Hammond Avantcore Trio Steamboat Switzerland reicht.

Basel, Anfang September 2016 / Steff Rohrbach


Reviews

BEYOND - Intakt CD277/2017

The birdlike sound, terse eloquence and Thelonious Monk-inspired structural audacity of the late soprano saxophonist Steve Lacy often guide Swiss reeds-player Jürg Wickihalder, a European jazz luminary joined here by the eclectic, light-touch percussionist Lucas Niggli and improv/contemporary-classical bass virtuoso Barry Guy – the latter celebrating his 70th year with the same boundary-busting energy he has displayed for the last 50. Like Lacy, Wickihalder is engagingly fond of airily strutting soprano sax-and-bass unison tunes that dissolve into impetuously-spinning free passages and dead halts, but he also plays more spaciously here – often through distinctive approaches to alto and tenor saxes. Abstract improv passages precede contrastingly dreamy sax meditations or voicelike laments of an Albert Ayler-like fervour; ballad-like pieces gently bloom while the saxophonist’s partners scuttle and skip; the lyrical Sussholz is a delicate dialogue for mellow tenor sax and Guy’s ringing pizzicato; and the springy Dipper is like a periodically derailing calypso. Edgy jazz composing, awesome virtuosity, collective improv and invitingly songlike melody are all very subtly fused together here.
(John Fordham)

Das Trio bot am Schlussabend des Unerhört-Festivals 2016 ein furioses Konzert, an dem melodische Fahrten, komplexe Strukturen und ein rasantes Ping-Pong der Klänge traumwandlerisch verbunden wurden. Das vorliegende Album ist sozusagen die abgespeckte Version davon. Es enthält die Grundlagen dessen, was sich in der Live-Jonglage auf der Bühne jeweils ungeahnt entfalten kann. Die Kompositionen stammen bis auf zwei Ausnahmen von Jürg Wickihalder, der seinerseits gleich auf drei Saxophonen sein Spektrum an Technik, Emotion, klanglichem Know-how und spielerischer Gewitztheit mit einbringt. Beeinflusst von seinem Lehrer Steve Lacy und gewissen afroamerikanischen Traditionen, hat er zu seiner formbewussten Sprache gefunden. Sie hat eine melodische Kraft und kann in langen Bögen ausholen, dabei waghalsig und präzise bleiben. Mit Barry Guy und Lucas Niggli ist ein fantastisches Rhythmus-Duo am Mitstrukturieren, Mitfiebern, Musizieren. Das Trio hat etwas Pfiffiges, wie es in schnellen Wechseln die Musik dreht und wendet, mit dem Material spielt , Grooves aus dem Ärmel schüttelt oder feierliche Klanggespinste entwickelt. Die Klasse der Musiker zeigt sich auch darin, wie leichtfüssig sie in ihren eigenen Ideen koexistieren, dynamisch im Austausch bleiben und sich jederzeit vehement verdichten können.
(Pirmin Bossart)


CD

2017, BEYOND Intakt CD277/2017